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Sagenhaftes Belrieth

Die weiße Jungfrau von Belrieth




Auf dem Belriether Berge ist eine kahle Stelle, nur vereinzelt mit alten Fichtenstämmen bewachsen; auf dieser Stelle erhebt sich ein länglicher Hügel, just wie ein Grab, an dessen Spitze eine uralte, ganz krüppelige und knorrige Fichte steht, die gar nicht mehr wächst. Nun war vor alter Zeit auf der Burg zu Belrieth, von der man jetzt kaum noch eine Spur erblickt, ein Ritter, der hatte eine schöne junge Base bei sich, die ihm den Haushalt versah, und die er mit seiner Liebe verfolgte. Sie aber wollte nichts von ihm wissen, und als er eines Tages allzu dringlich wurde, entfloh sie ihm. Wie der Ritter ihre Flucht und den Weg, den sie eingeschlagen hatte, erfuhr, setzte er ihr nach und holte sie auf dem Belriether Berge ein und da sie sich seinen Wünschen durchaus nicht fügen und nicht mit ihm zurückkehren wollte, wurde er vor Zorn und Liebe und Wollust so blindwütend, dass er der Armen sein Schwert in die Brust stieß – dann begrub er sie unter einer jungen Fichte. Von diesem Tage an verkrüppelte der Baum, und die Jungfrau wandelte als bleiches weißes Gespenst umher, das Schwert in der Brust. Es mögen 50 bis 60 Jahre her sein, als einmal der Peters Michel von Neubrunn, der den Garben-Zehnten einzusammeln hatte, über die Äcker, und an jener Fichte vorbeikam, da erhob sich plötzlich ein grausamer Wind, der die Fichte fast bis zur Erde umbog, dem Zehntner die Garben von seinem Spieße und auseinander riß und überall aufs Feld hin verstreute, und die weißgekleidete Jungfrauenerscheinung vor ihm stand. Sie sah ihn an mit schmerzlich tiefvertrübtem Blick, wandelte eine ganze Strecke neben ihm, und verschwand dann. Den grausamen Ritter aber traf bald genug die Strafe seiner Unthat; er wurde nach Urtel und Recht mit dem Schwerte gerichtet, und der Landesherr, Graf Hermann von Henneberg-Aschach, schenkte seine Burg den Belriethern zum Abbruch, die mit den Steinen ihre alte, kleine Kapelle zu einer Kirche erweiterten.