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Den Hofteich betreffend

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Protokoll einer Sitzung über den Hofteich




Nachstehend ein Protokoll über die Gemarkung Hofteich zu Belrieth gefertigt im Herzoglichen Verwaltungsamt Meiningen unter Anwesenheit der Mitglieder des Gemeindevorstands Belrieth aus dem Jahre 1851

Geschehen In Gegenwart des Herrn Oberamtmann von Mannsbach Meiningen den 15. Dezember 1851

Vor Herzoglichem Verwalthungsamt erscheint geladen der Schultheiß Bühner von Belrieth Vors Vorsteher Andreas Schmidt und die Ausschußmitglieder Georg Schmidt Phillipp Köhler Nicolaus Hanf Daniel Keidel Ernst Köhler und Herr Rittergutsbesitzer von Spangenberg. Das Ausschußmitglied Johannes Otto ist nach Angaben des Schultheißen vom Hause abwesend. Auf sachgemäßen Vortrag aus dem Protokolle vom 20. September dieses Jahres und dem Bericht des Ortsvorstandes vom 20. desselben Monats d.J. gibt Herr von Spangenberg zu vernehmen:

1. Den von den Herrn Förster Tanner geferdigten Grundriß vom Gute Hof teich, so wie der zum Rittergute gehörigen Waldung mit dem anliegenden Gemeinde- und Privateigenthum von Belrieth ist richtig und ich kann demnach auch nicht widersprechen daß der Stedtberg in der Hofteicher Flur 25 1/2 Acker Schulzenacker liegen jedoch ohne Gewähr der Fläche und nur nach der gewöhnlichen Annahme in der Rechnung auch liegen 2 Acker Pfarracker in der Hofteicher Flur die jedoch bei Bildung einer besonderen Gemarkung aus der Hofteicher Flur in diese einverleibt werden können ebenso wie die das Rittergut Belrieth bildende Grundstücke welche mit der Gemeindemarkung in Gemenge liegen, in die Flurmarkung Belrieth einverleibt worden sind. Geschichtlich ist hierbezüglich zu bemerken, daß das Gut Hofteich früher ein Schattullengut der .... Herzogin Charlotte Amalie gewesen ist und daß der Schultheiß von Belrieth die Aufsicht über dieses Gut zu führen hatte und dafür oben erwähnte 25 1/2 Acker Schulzenacker als Besoldung erhalten hatte. Ebenso verhält es sich mit den 2 Acker Pfarracker welche der Herr Pfarrer von Belrieth für geistliche Verrichtungen im Hofteich erhalten hat, die fraglichen Grundstücke haben also ursprünglich zum Hofteich gehört. Widersprechen kAnn ich ferner nicht, daß die Belriether Rittergutswaldung und zwar die Parzellen Stedtberg und Zöllberg nicht im Zusammenhang mit dem Hof teich liegen (die Unterbrechung beträgt ungefähr 25 Schritt. Von den nächsten Punkten an gerechnet.) Da aber die oben genannten Waldparzellen welche nach Ausweis des oben erwähnten Grundrißes eine Fläche von 200 Acker ohne Blößen und Wege ausmachen, nach Art. 2 Nr. 1 des Gesetzes über das Gemeindewesen vom 14. März 1848 aber die zu einen Domezinenritter und Freigut gehörigen Waldungen, welche nicht mit den Grundstücken einer Gemarkung in Gemenge liegen, sondern einen für sich abgeschlossenen größeren Komplex bilden, einen Gemarkungsverband für sich bilden können, so muß ich für den Fall, wo die Gemeinde Belrieth ferner bei dem Widerspruche gegen die Vereinigung dieser Belriether Rittergutswaldung mit der Gemarkung Hofteich beharren sollte, die Bildung einer besonderen Gemarkung aus diesen beiden Waldparzellen nach Art. 2 des oben angezogenen Gesetzes beantragen mit dem Bemerken, daß nach Ausweis des Grundrisses und meiner Karte die Voraussetzung eines größeren Waldkomplexes und zwar eines für sich abgeschlossenen vorhanden und aus den Lehnhofbreiten (?) die in meiner Eingabe vom 12. August dieses Jahres (Blatt 21 b) gestellten Behauptung der Rittergutsqualität sowohl für das Rittergut Belrieth als auch für das Gut Hofteich zu verweisen ist weshalb ich auf diese Lehnhofbreiten hiermit ausdrücklich Bezug genommen haben will. Die Angabe in Hinsicht der Anstandhaltung der Grenze gegen Lohrer (?), Dillstädt und Vachdorf bedarf einer Berichtigung. Die Grenzen zwischen Lohrer und Dillstädt sind Landesgrenzen und die gegen Vachdorf sind zum Theil zwischen Hofteich und Vachdorf zum größten Theil aber zwischen der Gemeindemarkung Vachdorf, und versteht es sich von selbst, daß ich die Grenze zwischen Hofteich und Vachdorf im Stücke zu erhalten habe, und zwar gemeinschaftlich mit der Gemeinde Vachdorf. Daß aus dieser Grenzbegehung die gemeinschaftlich zwischen Vachdorf der Gemeinde Belrieth und nur von Zeit zu Zeit statten gefunden haben, daraus gefolgert werden soll, daß das Gut Hofteich schon früher zur Gemarkung Belrieth gehört habe, muß ich widersprechen. Nur in Hinsicht auf den Kirchen- und Schulenverband räume ich ein, daß die Bewohner von Hofteich stets zu Belrieth gehört hätten, der Kirchen- und Schulenverband wird auch ferner bleiben und die dienstlichen Verrichtungen des Schultheißen und des Pfarrer, von Belrieth in Zukunft bleiben, wofür die oben erwähnten 25 1/2 Acker Schultheißenacker und 2 Acker Pfarracker als Besoldung ausgesetzt sind, dergestalt, daß der Pfarrer außerdem was ihm noch vom Hofteich ausgesetzt ist nur Accidenzen von dort zu beziehen haben würde.

2. Die Gerechtsamen in Hinsicht auf die Hut sind richtig angegeben mit Ausnahme der Vorhut, es gehört aber dies nach Art. 8 des mehrerwähnten Gesetzes wonach privatrechtliche Verhältnisse des Art. durch Bildung der Gemarkung der Gemeinden nicht geändert werden sollen, gar nicht hierher.

3. Das Leseholzsammeln in den Belriether und Hofteicher Rittergutswaldungen ist von Seiten der Belriether Einwohner immer geschehen und räume ich dieses Recht auch ferner ein nämlich an den beiden Holztagen in der Art, daß an ein Tag der Woche diesseits an einem anderen Tag der Woche jenseits der Werra Leseholz gesammelt werden kann.

4. Rücksichtlich der behaupteten Rechte wegen Streusammelns, der Bucheckern und Zapfen und des Grasensn der Hofteicher Flur muß ich unter wiederholter Bezugnahme auf Art. 8 des Gesetzes widersprechen. Für den Fall wo die Erklärung der Gemeinde nach meinem Wunsch ausfällt will ich von der beabsichtigten Einkaufung in den Gemeindenutzungsrechten bis auf weiteres absehen

Schultheiß und Gemeindeausschuß. Dem Ermessen der zuständigen Behörde überlassen wir es zu entscheiden, ob unter den von den Herrn Rittergutsbesitzer v. Spangenberg über angegebene Verhältnisse und Umständen dem Antrage auf Bildung einer besonderen Gemarkunq des Ritterguts Hofteich mit oder ohne der Belriether Gutswaldung entsprochen werden kann und soll. In dem Falle wo eine besondere Gemarkung aus dem Gute Hofteich gebildet würde, kann es uns ziemlich gleichgültig sein, ob die Belriether Rittergutswaldung Zöllberg und Stedtberg damit vereinigt oder den namens eine besondere Gemarkung gebildet wird. Randbemerkung Beim Vorlesen bemerkt der Schultheiß Bühner, daß ihm die Vereinigung nicht gleichgültig sei.

Da Herr Rittergutsbesitzer Spangenberg wegen der in unserem Berichte vom 26. September dieses Jahres unter 2 bis 6 erwähnten Gerechtsamen sich auf die Bestimmung des Art. 8 im Gemeindegesetzes vom 14. März 1848 bezogen hat, so nehmen wir gleichfalls Bezug auf diese gesetzliche Bestimmung wonach durch die Bildung der Gemarkungsverbände der Gemeinden an unseren privatrechtlichen Verhältnissen nicht geändert werden kann und soll. Wir akzeptieren die Erklärung des Herrn z. Spangenberg in Hinsicht auf die gutgerechtsame punkt 2 unseres Berichts vom 26. September dieses Jahres sowie in Hinsicht auf das Leseholzsammeln Punkt 3 desselben Berichts in bester Form rechtens und behalten unsere Ansprüche wegen der unter 4 bis 6 eben desselben Berichts erwähnten Ansprüche in Ansehung des Streusammelns der Bucheckern und des Grasens in der Hofteicher Flur der Gemeinde Belrieth ausdrücklich vor, indem wir auch das Erbitten des Herrn z. Spangenberg vorerst von dem beabsichtigten Einkauf in die Gemeindenutzungsrechte vorerst bis auf Weiteres absehen zu wollen dankbar annehmen. Übrigens bitten wir, daß nunmehr auch die unterm 14. Juni des von uns eingereichten Rekursschrift im Betreff Aufnahme von Spangenbergl. Schutznachbarn dem Herzoglichen Staatsministerium zur hohen Entscheidung vorgelegt werde.

Vorgelesen genehmigt und von den ...... (Erschienenen)

Schultheis Bühner Andreas Schmidt Georg Schmidt Phillip Köhler Nicolaus Hanf Daniel Keidel Ernst Köhler Freiherr von Spangenberg


nachrichtl. Mannheimer


(Quelle: Thüringisches Staatsarchiv Meiningen)