Pressebericht vom 09.Juli 2005

Denkmalpreis für Bürger-Engagement

Bemühen der Belriether Gadengemeinschaft um die Erhaltung und Rekonstruktion der historischen Gaden gewürdigt

BELRIETH. Mit dem Thüringer Denkmalpreis geehrt wurde vor wenigen Tagen die Gadengemeinschaft Belrieth. Engagierte Bürger der Werratalgemeinde hatten sich schon vor einigen Jahren zusammengetan, um die historischen Kirchgaden vor dem drohenden Verfall zu bewahren. Inzwischen ist der Gadengürtel fast vollständig rekonstruiert.

Ein Torweg führt unter dem alten Schulhaus direkt in die Belriether Kirchenburg. Und hier bietet sich dem Besucher ein überraschendes Ambiente. Das eher schlicht anmutende Gotteshaus mit dem Kirchhof wird von dem nahezu vollständig erhaltenen Gadenring wie ein schützender Wall umschlossen. Der größte Teil dieser alten Kellerhäuser ist restauriert – einige sind nach historischen Vorbild wieder aufgebaut, andere haben eine Notsicherung erhalten.


Historisches Vermächtnis


Die Belriether Kirchenburg ist die einzige im mittleren Werratal, die noch einen nahezu vollständig erhaltenen Gadengürtel vorweisen kann. 27 Kellerhäuser, die einst auf der Wehrmauer errichtet worden sind, reihen sich aneinander. Ihre Geschichte reicht bis in das 17. und 18. Jahrhundert zurück. Die Dorfbewohner nutzten die Gaden mit ihren kühlen Gewölbekellern einst als Vorratslager. Auch bot die Kirchenburg den Vorfahren im späten Mittelalter Schutz vor Gefahren. Die ursprüngliche Funktion der Gaden aber geriet mit Beginn des 20. Jahrhunderts mehr und mehr in Vergessenheit. Die Fachwerkbauten verfielen zusehends. Einige der Gadenbesitzer wollten da aber nicht länger zuschauen. Die Herrichtung erwies sich jedoch als schwieriges Unterfangen, zumal jede Reparatur an denkmalgeschützten Gebäuden auch eine entsprechende Bestandserfassung mit Schadensermittlung voraussetzt. Außerdem befinden sich bis auf zwei Ausnahmen alle Gaden in Privatbesitz. Die Untere Denkmalschutzbehörde bemühte sich, zunächst für die Gemeindegaden eine Lösung zu finden. Und so übernahmen 1992 Lehrlinge vom Berufs- und Ausbildungszentrum Rohr Dachdecker-, Zimmerer- und Schreinerarbeiten. Die Kommune kam für die Materialkosten auf. Ulrich Ganß, einer der Organisatoren dieser Rettungsaktion, kümmerte sich um die fachgerechten Putzer- und Malerarbeiten an dem Gemeindegaden neben dem Schulhaus. 1998 versuchte die Untere Denkmalschutzbehörde, beim Thüringer Landesamt für Denkmalpflege in Erfurt eine Bestandserfassung mit Sanierungskonzept in Form einer Diplomarbeit zu erwirken. Dieser Versuch allerdings schlug fehl.


Zwei Studenten halfen


Jene Belriether, die sich die Rettung der Gaden zum Ziel gesetzt hatten, wussten aber auch: Um überhaupt mit den Sanierungsarbeiten an den Kellerhäusern beginnen zu können, musste zunächst erst einmal im Kirchhof Baufreiheit geschaffen werden. So wurde 1999 der ehemalige Pfarrgarten beräumt. Dann war eine Absenkung des Bodenniveaus nötig. Schließlich konnte die am Kirchenschiff nachträglich angebaute Treppe zur Männerempore und der Anbau für den Aufgang zur Orgelempore entfernt werden. Zu guter Letzt wurde dann auch noch die Trockenlegung der Kirchenfundamente zum Hang hin vorgenommen. Das alles geschah in einer Vielzahl freiwilliger Arbeitsstunden. Im September 2000 knüpften Birgit Müller und Karin Ganß von der Unteren Denkmalschutzbehörde Kontakte zur Bauhaus-Universität Weimar. Daraufhin stellten sich zwei Studenten vor, die sich für dieses Projekt interessierten. Im Oktober begannen sie mit ihrer Arbeit. Die gesamte Wehrkirchenanlage wurde vermessen, von jedem einzelnen Keller wurde eine Bestandsaufnahme gemacht. Skizzen und Fotos ergänzen die Unterlagen. Die Schäden wurden im Detail beschrieben und Vorschläge zur Sanierung beigefügt. So entstand ein Raumbuch für jeden Gaden. „Tina Berg und Thomas Keller haben eine hervorragende Arbeit geleistet. Ihre Arbeit wurde übrigens mit der Note 1,23 bewertet und sie ist die Grundlage für alles, was inzwischen an den Gaden gemacht worden ist beziehungsweise noch gemacht werden soll“, erzählt Karin Ganß. Alleine in den Jahren 2000 bis 2003 wurden cirka 3000 Arbeitsstunden geleistet. Inzwischen ist auch der eingefallene Eckgaden wieder aufgerichtet worden, was gar nicht so einfach war, wie Ulrich Ganß versicherte. Die Ruine war zugewuchert, der Kellereingang eingestürzt. Unterstützung erhielt die Gadengemeinschaft vom BEGA-Bau in Walldorf. Die Firma stellte kostenlos Gerüst und Arbeitsgeräte zur Verfügung. Torsten Kuhn, gebürtiger Belriether und als Lehrmeister im Bildungswerk Walldorf tätig, entwarf die Balkenkonstruktion. Bei einigen Gaden erwies sich die Sanierung wie eine Sisyphusarbeit. Schließlich musste alles unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wieder hergestellt werden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Mühe und Arbeit wurde jetzt mit dem Thüringer Denkmalpreis belohnt. Die Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde, Birgit Müller, hatte die Belriether Gadengemeinschaft für diese Ehrung vorgeschlagen. Der Preis ist mit 7500 Euro dotiert. „Es ist schön, dass solche Initiativen gewürdigt werden. Auch die Gemeinde Belrieth hat die Gadensanierung mit 10.000 Euro unterstützt“, stellte Bürgermeister Hans-Ulrich Laier fest. „Für die Gadengemeinschaft ist der Preis zugleich aber auch eine Verpflichtung, das Begonnene fortzusetzen“, meint Ulrich Ganß, und verweist darauf, dass die 7500 Euro eigentlich schon wieder verplant sind. Zwei Gaden im oberen Bereich müssen neu gedeckt werden, ebenso ein Kellerhaus in der Nähe des Eingangs zum Kirchhof. Hier muß die Asbestabdeckung dringend entfernt werden. KARLA BANZ



Karin und Ulrich Ganß wie auch Bürgermeister Hans-Ulrich Laier und alle Gadenbesitzer , die in den letzten Jahren hier fleißig am Werk waren, freuen sich über die Auszeichnung mit dem Denkmalpreis. Der Belriether Kirchhof mit dem nahezu vollständig erhaltenen Gadengürtel strahlt einen besonderen Charme aus. Die Sanierung der Kellerhäuser geht weiter. FOTOS: Karla Banz


Eine Luftaufnahme der Belriether Kirchenburg mit dem inzwischen fast vollständig sanierten Gadengürtel. FOTO: Hans-Ulrich Laier Im oberen Bereich des Belriether Kirchhofes müssen noch zwei Gaden hergerichtet werden.