Pressebericht vom 18.März 2004 - Meininger Tageblatt

Feldzug gegen Kupferstecher und Buchdrucker

Rettungseinsätze in den Wäldern des Vachdorfer Reviers - Vereine haben Notwendigkeit zum schnellen Handeln erkannt



Die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr Belrieth, unterstützt von Bürgermeister Hans-Ulrich Laier, den Gemeinderäten und Vereinsmitgliedern rückten am vergangenen Wochenende zum Waldeinsatz aus. Ziel war ein junger Fichtenschlag auf dem Kohlberg. Das vom Borkenkäfer befallene Holz wurde beseitigt und sofort verbrannt.
dFotos: R. Büttner

Belrieth/Vachdorf/Leutersdorf. Der Käferbefall hat in den heimischen Wäldern ein Ausmaß erreicht, das selbst ein erfahrener Forstmann wie Hartmut Gundelwein so noch nicht erlebt hat. Und die Befürchtung, dass es noch weitaus schlimmer kommen wird, ist durchaus realistisch. In Belrieth, Vachdorf und Leutersdorf haben die Vereine jetzt ihre Mitglieder mobilisiert, um dem Käferholz wirkungsvoll zu Leibe zu rücken.

Ihre Namen klingen eher harmlos, und doch sind Kupferstecher und Buchdrucker eine ernst zu nehmende Gefahr für den Wald. Bedingt durch den heißen und trockenen Sommer des letzten Jahres fanden die Borkenkäfer nahezu ideale Bedingungen für ihren Vernichtungsfeldzug vor. Hinzu kommt die Besonderheit, dass die Bäume auf den für die Region typischen Muschelkalkboden wurzeln. Für den Revierbereich Vachdorf – dazu gehören auch Belrieth und Leutersdorf – sind zudem extrem kurze steile Hänge typisch.

Die lang anhaltende Trockenheit hat die Fichten geschwächt. Ihre Wurzeln fanden kaum Wasser, und so konnten sie dem Angriff der „Killerkäfer“ wenig Widerstand entgegensetzen.

1800 Festmeter Holz sind im Vachdorfer Revier von Borkenkäfern befallen, wovon bislang 1650 Festmeter gefällt und verkauft wurden, wie von Revierleiter Hartmut Gundelwein zu erfahren war. Kupferstecher und Buchdrucker haben sich quasi auf Arbeitsteilung spezialisiert. Während der Buchdrucker das Starkholz befällt nimmt sich der Kupferstecher die Kronen und Äste vor, und er dringt bevorzugt in Dickungen und Stangenholz ein. So vernichtet er Bestände, die erwerbsmäßig nichts einbringen. Im Kommunalwald entstehen dadurch beträchtliche Kosten, die den Gemeinden Sorgen machen.

Doch das von den Käfern befallene Holz muß schnell beseitigt werden, weil der Kupferstecher im Brutbild beziehungsweise in den Reifungsfraßgängen überwintert. Revierförster Hartmut Gundelwein hat sich deshalb mit den drei Bürgermeistern und einigen Gemeinderäten beraten, was zu tun ist. Bei einer Vor-Ort-Besichtigung im Wald ist man übereingekommen, auf Altbewährtes zurückzugreifen: Die Waldeinsätze Gab es vor Jahren noch die Möglichkeit, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen, müssen sich die Gemeinden nun selbst behelfen. Deshalb wurden alle Vereine angesprochen. „Die Resonanz war sehr groß Ich habe damit überhaupt nicht gerechnet. Doch der Ernst der Situation wurde sofort erkannt“, bestätigte Hartmut Gundelwein. Auch die Jäger der Gemeinden erklärten sich umgehend bereit, bei den Säuberungsaktionen im Wald Hand anzulegen. Und sie sind auch gleich mit gutem Beispiel vorangegangen. Letztes Wochenende nun stellte die Belriether Feuerwehr ihre Einsatzbereitschaft unter Beweis, und zwar dieses Mal bei der Rettung des Waldes. Die Vereinsmitglieder kämpften sich durch die Dickungen am Kohlberg. Das befallene Holz und das Reisig wurden aufgeschichtet und sofort verbrannt. „Diese alte Methode ist noch immer die wirksamste. Und damit kann man auch dem Einsatz von Chemikalien entgegensteuern“, erläuterte der Revierleiter.

Saport-, Karnevals- und Gartenverein werden die nächsten sein, die zum Waldeinsatz ausrücken. Aber auch in den Nachbarorten Vachdorf und Leutersdorf sind die Vereine längst aktiv geworden. Hier wasren es gleichfalls die Jäger, die den Anfang machten. Vachdorf hat indes nicht die großen Dickungsbestände, wie das in Belrieth und Leutersdorf der Fall ist. In Leutersdorf waren Feuerwehr- und Trachtenverein auch schon beim Beseitigen des Käferholzes vor Ort. Weitere Waldeinsätze sollen in den nächsten Tagen und Wochen folgen. Hier hat sich außerdem eine Rentnerbrigade zusammengefunden, die sich um Kupferstecher & Co. kümmern.

Hartmut Gundelwein rechnet damit, dass derartige Einsätze noch bis in den April hinein nötig sein werden. “Immerhin ist der Wald ja ein Gemeingut, und für seine Erhaltung sind wir alle verantwortlich Und das sehen auch die Vereine so“, weiß der Forstmann.

Doch auch die Privatwaldbesitzer sind aufgerufen, ihre Bestände regelmäßig auf Käferbefall zu kontrollieren. „Wenn sie Hilfe brauchen, können sie sich an mich oder an die Gemeinden wenden“, ließ Hartmut Gundelwein wissen. Er hat übrigens wenig Hoffnung, dass sich die Borkenkäfersituation diese Jahr entschärfen wird. Noch immer ist das Erdreich viel zu trocken. Zu wenig Schnee und fehlender Regen wirken sich nachhaltig aus.

Gesetzt den Fall, auch dieses Jahr wird wieder heiß und trocken werden sich die Borkenkäfer weiter vermehren Und das könnte so extreme Folgen haben, wie sie och nie da gewesen sind. Damit sich der Wald wieder erholen kann, wäre ein kühles und feuchtes Jahr ideal. Nicht zuletzt sind es ja auch die Wälder, die dem Kulturlandschaftspark Oberes Werratal erst den passenden Rahmen geben.

Karla Banz


Revierleiter Hartmut Gundelwein (r.) bei einem Kontrollgang durch den Wald mit dem Leutersdorfer Bürgermeister Helmuth Büttner.
dFoto: Karla Banz