Pressebericht vom 10.Januar 2004

Versteigerung brachte keinen neuen Besitzer Kein wirksames Gebot - Gemeinde hat weiter Interesse am Gutshof, kann und will aber keine hohen Summen zahlen



Das, was nach dem Abriss im September 2001 von der einstigen Gutsscheune übrig geblieben ist, liegt heute noch auf dem Gelände des einst ortsbildprägenden Ensembles.

Belrieth/Meiningen (bik). Ein neuer Besitzer für den einstigen Gutshof in Belrieth ist nach dem Versteigerungstermin am vergangenen Donnerstag noch nicht in Sicht.

Obwohl die Zuschauerplätze im Meininger Amtsgericht fast besetzt waren - ein ernsthafter Interessent war nicht gekommen. Lediglich ein Bürger aus Belrieth bot kurz vor Toresschluss 3 500 Euro. Doch da er die geforderte Sicherheitsleistung in Höhe von 10 000 Euro nicht erbringen, sprich das Geld sozusagen auf den Tisch legen konnte, wurde sein Gebot gar nicht erst wirksam. Und weil es am Ende keine wirksamen Gebote gab, sind die Wertgrenzen nicht weggefallen. An der Genobank Rhön-Grabfeld e.G., auf deren Betreiben das Verfahren auf den Werg gebracht worden ist, liegt es nun, ob es eine Fortsetzung gibt.


Keiner stieg hoch ein

Auch die Gemeinde liebäugelt nach wie vor mit dem Areal. Deshalb war auch Belrieths Bürgermeister Hans-Ulrich Laier zum Versteigerungstermin gekommen. Die Kommune hatte das ehemalige Gut anfangs der 90er Jahre an Siegfried Kaiser, den einstigen CDU-Fraktionschef im Kreistag, verkauft. Belrieth würde es gerne wieder übernehmen - allerdings nicht zu den jetzt geforderten Konditionen. Der Verkehrswert wurde mit 103 333 Euro angesetzt. Wer am Donnerstag überhaupt eine Chance auf den Zuschlag haben wollte, hätte wenigstens zwischen fünf Zehntel und sieben Zehntel dessen - sprich eine Summe zwischen 51 666 und 72 333 Euro - als Gebot nennen müssen. Und selbst da hätte die Bank noch ihr Veto einlegen können.

Doch kein Interessent war an diesem Tag bereit, in dieser Größenordnung hier einzusteigen. Und so muß auch die Gemeinde weiter warten auf den Tag, an dem die finanziellen Grenzen fallen, um günstig an das Areal zu kommen. "Uns wäre es natürlich auch lieber, wenn ein Investor es übernehmen und sanieren würde. Doch der ist derzeit nicht in Sicht. Fest steht aber, dass auf dem Gelände etwas passieren muß. So geht es nicht mehr weiter", sagte Belrieths Bürgermeister Hans-Ulrich Laier gegenüber unserer Zeitung.

In der Wendezeit bekam die Gemeinde den Gutshof übereignet. Glücklich war man damals nicht damit, obgleich es sich natürlich um ein historisch wertvolles Ensemble handelte. Die anstehende, notwendige Sanierung bereitete der Kommune Kopfzerbrechen. Froh war man deshalb, als 1991 mit Kaiser "ein reicher Mann aus dem Westen kam2 - wie es damals im Dorf hieß - und das Objekt erwarb. Große Pläne gab es viele. Ein Hotel - ganz exklusiv mit Reiterhof und Erlebnispark - sollte entstehen. Als daraus nichts wurde, war ein Gewerbehof im Gespräch. Doch auch das platzte wie eine Seifenblase. Selbst aus der danach avisierten Wohnanlage wurde nichts.

Die Belriether mussten mit ansehen, wie das Gelände und die Gebäude immer mehr verkamen. Das sorgte gewaltig für Missstimmung. Überlegungen, alles wieder zurückzukaufen, wurden angestellt. Schließlich sah die Gemeinde Chancen, im Zuge des gemeinsamen Entwicklungskonzeptes von Belrieth, Vachdorf und Leutersdorf hier mit Fördermitteln der Dorferneuerung das denkmalgeschützte Gut zu sanieren. Doch auch aus dem Rückkauf wurde nichts, denn der Eigentümer lehnte das Ansinnen ab. Die Gemeinde hatte den gleichen Kaufpreis angeboten, für den sie damals das Gut veräußert hatte, obwohl sich die Gebäude inzwischen in einem weitaus schlechteren Zustand befanden. Doch die Kommune sollte ein Mehrfaches auf den Tisch legen. Inzwischen hatte sich nämlich herausgestellt, konnte Bürgermeister Hans-Ulrich Laier im September im Gemeinderat berichten, dass der Eigentümer den Gutshof als Sicherheit an eine Bank abtrat, um für ein anderes Objekt einen Kredit zu bekommen. Eine Grundschuld in Höhe von seinerzeit 300 000 Mark wurde eingetragen. Zinsen fielen an. Inzwischen macht die Bank einen Anspruch in Höhe von 304 000 Euro geltend.

Die Gemeinde jedenfalls konnte und wollte die aus ihrer Sicht weit überhöhte Summe für den Rückkauf nicht zahlen und harrte weiter der Dinge die da kamen. Das war das Fazit einer Ratssitzung im September 2001.

Und die Dinge ließen nicht lange auf sich warten. Die Befürchtungen der Kommune, der Eigentümer des Gutshofes könnte zum Totalabriss schreiten, sollten sich bewahrheiten. Zwei Tage vor der Ratssitzung nämlich war eine Frist der Unteren Bauaufsicht abgelaufen. Bis dahin sollte der Eigentümer die Bausicherung des Geländes vornehmen. Inzwischen war das Terrain nämlich zu einer Gefahrenquelle geworden.


Segen für Denkmalabriss

Von der Bauaufsicht des Landratsamtes zeigte sich Laier damals mehr als enttäuscht. tatenlos habe man zugesehen, wie das ortsbildprägende Ensemble verfallen sei. Vor Jahren sei schon darauf aufmerksam gemacht worden. "Offenbar wollte sich aber keiner aus der Verwaltung die Finger verbrennen, denn der Besitzer der Gutsscheune war damals noch Chef der CDU-Fraktion im Kreistag" hatte Laier schon vor zwei Jahren gemutmaßt.

Einen Tag nach Ablauf des Ultimatums - also am 14. September 2001 - hatten die Bagger bereits ganze Arbeit geleistet. Der Abriss eines Teils des Denkmals war vollzogen. Tatsachen waren geschaffen worden - und das inzwischen mit Absegnung der kreislichen Bauaufsicht.

Viel ist nicht mehr vorhanden auf dem 10862 Quadratmeter großen Gelände. "Das Gebäude, das noch übrig geblieben ist, könnte bewohnt werden", sagt der Belriether Bürgermeister. Allerdings müsse auch hier schleunigst etwas gemacht werden an der Bausubstanz. Viel zu viel sei aus dem Gebäude an historisch wertvollen Teilen schon rausgeholt und weggeschafft worden. "Damit muß Schluss sein, die Eigentumsverhältnisse müssen schnellstens geklärt werden". Auch der Gewölbekeller sollte wieder nutzbar gemacht werden. "Aus dem ganzen Areal kann man viel machen", hat Laier die Hoffnung auf ein gutes Ende noch nicht aufgegeben.