Pressebericht vom 21.Februar 2003
Belrieth hat einiges zu bieten.
Ganz entscheidend geprägt wird das Belriether Dorfbild durch die Kirche. Jetzt hofft man zumindest für die
Kirchenmauersanierung auf die Dorferneuerung. Werrabrücke und Dorfplatz sind bereits rekonstruiert. Welchen
Vorhaben sich die Gemeinde in den nächsten fünf Jahren widmet, ist im Dorfentwicklungsplan verankert, der
jetzt erarbeitet wird. dFotos: Karla Banz
Einwohnerversammlung zur Dorferneuerung – Antragstellung bis 30.November
Belrieth(kb). Nächstes Jahr sollen in Belrieth die ersten Maßnahmen im Rahmen der
Dorferneuerung anlaufen. Welche Möglichkeiten sich aus dem Förderprogramm sowohl für die
Kommune als auch für die Bürger ergeben, das wurde in der Einwohnerversammlung am
Mittwochabend ausführlich erläutert. Bis Ende des Jahres liegt der Dorfentwicklungsplan vor.
Nachdem die Gemeinde im Mai letzten Jahres die Anerkennung als Förderschwerpunkt in der Dorferneuerung
erhalten hatte, bleiben ihr gut eineinhalb Jahre Zeit für die Vorbereitung. Das Interesse der Bürger an diesem
Förderprogramm ist offenbar sehr groß, denn rund 60 Belriether waren zur Einwohnerversammlung gekommen.
1993, vor genau zehn Jahren also, hatte das kleine Dorf an der Werra schon einmal seine Fühler nach dem
Fördertopf Dorferneuerung ausgestreckt. Damals allerdings vergeblich, wie Bürgermeister Hans-Ullrich-Laier
erwähnte. Dennoch sei man im Grunde genommen nicht allzu traurig gewesen, bot sich doch mit der
Städtebauförderung gleichfalls eine lukrative Chance. Er erinnerte an solche umfangreichen
Rekonstruktionsmaßnahmen wie die Werrabrücke, den Dorfplatz und die angrenzenden Gassen.
„Belrieth hat tatsächlich einiges zu bieten. Und ein außen Stehender sieht das sehr viel deutlicher als die
Belriether selbst“, bestätigte auch Reiner Rossbach, der für die Dorfentwicklungsplanung zuständige Architekt
aus Gleichamberg. Da er bereits die Städtebauförderprojekte begleitet hat, gründeten sich seine Erläuterungen
auf fundierte Kenntnisse über den Ort und dessen Entwicklung. Prägend für Dörfer wie Belrieth sei, dass über
Jahrhunderte hinweg die gleichen Baustoffe Verwendung fanden, und diese das Ortsbild geprägt haben. Als
vorherrschende Elemente nannte er das Fachwerk und das Sandsteinmauerwerk. Zwar sei die Ursprünglichkeit
in den letzten Jahrzehnten auch in Belrieth ein wenig verloren gegangen, doch das müsse ganz einfach der Zeit
geschuldet werden, räumte er ein.
Kein Nostalgie-Dorf
„Dennoch gibt es hier noch viel Markantes, das prägend für den Ort ist“, bestätigte er. Auch sei in jüngster Zeit
manches Rekonstruiert worden. Dabei verwies er nicht nur auf Dorfplatz und Brücke, sondern auch auf
zahlreiche Fachwerkhäuser und Scheunen, die mit sehr viel Liebe wieder in Stand gesetzt worden sind. Und das
sei ja auch Ziel und Zweck der Dorferneuerung. Es gehen nicht darum, ein nostalgisches Dorf zugestalten,
sondern mit den heutigen Materialien die charakteristischen Besonderheiten hervorzuheben und zu bewahren,
unterstrich Reiner Rossbach. Um dieses anschaulich erläutern zukönnen, führte er die Zuhörer auf einen
virtuellen Spaziergang durch den Ort. Während sich rechts der Werra schon einiges getan hat, bietet der ältere
Teil des Dorfes mit dem Kirchberg und dem Gut manche lohnende Objekte für die Dorferneuerung.
Beispielsweise erwähnte Reiner Rossbach die alte Schule, durch die der Torweg zum Kirchhof führt. Aber auch
das Pfarrhaus – ein Fachwerkgebäude, das noch viele historische Details aufweist – gehört zum
baugeschichtlichen Erbe des Dorfes. Ein Kapitel für sich indes ist das Gutsgelände. Das musste auch der
Fachmann zugeben. Es stellt nachgewiesenerweise die Urzelle Belrieths dar. Im Dorf beobachtete man den
rasch fortschreitenden Verfall, dem bekanntlich letzten Jahres schon die Gutsscheune zum Opfer gefallen ist, mit
zunehmender Besorgnis. „Doch der Gemeinde sind in dem Fall die Hände gebunden, wenn der Eigentümer nicht
mitspielt“, bedauerte der Planer. Was die Kirchburg anbelangt, dürfte es seiner Meinung nach schwierig sein,
Fördermittel über die Dorferneuerung zu erhalten – zumindest das Gotteshaus betreffend. Bei der Mauer
hingegen müsse man die Machbarkeit abchecken, beantwortete er die konkrete Anfrage des Bürgermeisters.
Scheunen ein Stück Historie
Als wichtigstes Element im Dorfbild bezeichnete Reiner Rossbach die Scheunen, die einst den schützenden
Gürtel um das Dorf bildeten. „Es wäre schade, wenn man sie wegreißen würde, weil sie nicht mehr gebraucht
werden“. Detaillierte Informationen über Förderhöhe und Fördermodus gab Ines Grimm vom
Flurneuordnungsamt. Für kommunale Vorhaben gilt ein Fördersatz von 70 Prozent über den gesamten Zeitraum
von fünf Jahren. Einbezogen ist auch die Dorferneuerungsplanung. Neben der Gebäudesanierung sind unter
anderem die Gestaltung von Plätzen und der Ausbau von Straßen förderfähig. Dazu zählen auch die Sanierung
von Wasserversorgungsleitungen und Abwasserkanälen. Hier richtet sich die Förderquote jedoch nach den
Vorhaben des Umweltamtes.
Kostenlose Beratung
Im privaten Bereich ist die Förderung mit 30 Prozent festgeschrieben. Allerdings ist eine Obergrenze angesetzt,
und die liegt je Objekt bei 15 000 Euro. Für Maßnahmen, die unter die 2000 Euro-Grenze fallen, gibt es keinen
Zuschuss. Nicht mehr gefördert werden außerdem Eigenleistungen. Anträge können sowohl für Wohnhäuser –
Dach, Fassaden, Fenster, Türen und dergleichen – als auch für Nebengebäude, Hofgestaltung oder Grünbereiche
gestellt werden. Die entsprechenden Formulare müssen bis zum 30.November beim Flurneuordnungsamt
vorliegen, und zwar jeweils für die Maßnahmen, die im darauf folgenden Jahr begonnen werden sollen. Neben
dem Antragsformular sind aussagefähige Farbfotos, ein Lageplan sowie die Stellungnahme des Planbüros und
des Bürgermeisters vonnöten. Außerdem sind bei Vorhaben mit einem Investitionsvolumen unter 5000 Euro
zwei Kostenangebote erforderlich, bei höheren Kosten müssen drei vergleichbare Angebote mit eingereicht
werden. Ab Juni steht das Planungsbüro den Bürgern gern für kostenlose Beratungsgespräche zur Verfügung.