Pressebericht vom 25.Juli 2002
Rettungsmaßnahmen für historische Gaden
Der Gadenring der Belriether Kirche ist noch
nahezu vollständig erhalten. Hand in Hand
arbeiten die Eigentümer daran, die historischen
Kellerhäuser wieder herzurichten. Vor zwei
Jahren begonnen, sind inzwischen sieben Gaden
saniert, weitere vier kommen dieses Jahr an
die Reihe. Für die Materialkosten wurden
Fördergelder bereitgestellt.
Zeitzeugnisse der Belriether Geschichte für Nachwelt bewahren

Belrieth (kb). Auch in diesem Jahr geht die Gadensanierung im Belriether Kirchhof weiter. Die Eigentümer
der historischen Kellerhäuser hatten vor zwei Jahren mit der Rekonstruktion begonnen. Von der Denkmal-
behörde erhalten sie eine finanzielle Unterstützung für die Materialkosten. Bisher konnten bereits sieben
Gaden unter denkmalschutztechnischen Gesichtspunkten wieder hergerichtet werden. Weitere vier sind momentan in Arbeit.


Die Belriether Kirchenburg gehört zu den wenigen historischen Anlagen ihrer Art, die noch einen nahezu intakten
Gadenring vorweisen können. Im mittleren Werratal zumindest ist sie die einzige. 27 dieser Kellerhäuser, die
einst direkt auf der Kirchenmauer errichtet wurden, reihen sich aneinander. Ihre Entstehungsgeschichte lässt
sich zurückverfolgen bis ins 17. und 18. Jahrhundert. Ursprünglich war ihnen sowohl eine Lager- als auch eine
Schutzfunktion zugedacht. In den kühlen Gewölbekellern wurden die Vorräte aufbewahrt, und drohte durch
räuberische Horden, die das Land durchstreiften, Gefahr, zogen sich die Dorfbewohner in das schützende
Kirchenareal zurück. Die Kellerhäuser dienten dann den Menschen als Zuflucht.
In den nachfolgenden Jahrhunderten rückte die eigentliche Bedeutung der Gaden indes mehr und mehr in den
Hintergrund, und die Bauten waren dem Verfall preisgegeben. Seit geraumer Zeit aber gibt es Bestrebungen,
die historische Anlage zu sanieren, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Die Umsetzung dieses Vorhabens aber
erwies sich vor allem hinsichtlich der Finanzierung als äußerst schwierig, wie Birgit Müller, die Leiterin des
Amtes für Denkmalschutz beim Landratsamt Schmalkalden-Meiningen, zu berichten weiß.

Studentenarbeit als Basis


Schließlich knüpfte man Kontakte zu zwei Studenten der Bauhaus-Universität Weimar, Fachrichtung
Bauingenieurwesen. Diese quartierten sich daraufhin im Oktober 2000 in Belrieth ein und begannen mit
der Vermessung der Wehrkirchenanlage. Jedes der 27 Kellerhäuser wurde genauestens unter die Lupe
genommen. Der bauliche Zustand ist analysiert und mit einer Schadenslokalisierung ergänzt worden.
Skizzen und Fotos dokumentieren die Untersuchungsergebnisse. Einen umfangreichen Teil der Arbeit
nehmen die Vorschläge zur Sanierung ein, wobei die beiden Studenten sowohl eine denkmalpflegerische
Optimalvariante als auch einen alternativen Sanierungsvorschlag ausarbeiteten. Tina Berg und Thomas
Keller legten das Ergebnis ihrer Untersuchungen noch im Herbst 2000 vor. Die Arbeit, die übrigens mit
der Note l ,2 bewertet wurde, bildet seither die Grundlage für die Sanierung. Nachdem bereits im Jahr
2000 zwei Gaden wieder hergerichtet werden konnten, folgten 2001 fünf weitere. Für die Materialkosten
wurden Fördergelder bereitgestellt, während die Eigentümer alle handwerklichen Leistungen selbst
übernommen haben. Auch für dieses Jahr stehen wieder Mittel bereit, wie von Birgit Müller zu erfahren
war. Die Sanierungsarbeiten können demzufolge fortgesetzt werden. Vier Kellerhäuser sind momentan in
Arbeit. An den Wochenende trifft sich eine ganze Reihe engagierter Helfer im Kirchhof, um das aufwendige
Werk gemeinsam anzugehen. Die Gemeinde Belrieth hat die Schirmherrschaft über diese Aktion übernommen,
damit vor allem bürokratische Hürden umgangen werden können. Es ist mühevolle Kleinarbeit vonnöten, um
die Schäden des Verfalls auszumerzen oder auch die gestalterischen Mängel der vergangenen Jahrzehnte zu
beheben - doch der Aufwand lohnt sich.


alter Gaden


renovierter Gaden