Pressebericht vom 17.Mai 2002
Werragemeinden in Dorferneuerung
Modellprojekt ebnete für Vachdorf, Leutersdorf und Belrieth den Weg ins ländliche
Förderprogramm


Vachdorf/Leutersdorf/Belrieth (kb). Die drei Werratalorte Vachdorf, Leutersdorf und
Belrieth sind unter jenen Gemeinden, die am 30. Mai in Bad Col-berg aus den Händen
von Thüringens Landwirtschaftsminister Volker Sklenar die Anerkennungsurkunde als
Förderschwerpunkt in der Dorferneuerung erhalten. Damit ist auch der Weg frei für die
Realisierung des Regionalen Entwicklungskonzeptes.


Das im Dezember 2000 abgeschlossene Gemeindeübergreifende Entwicklungskonzept (GEK) für
die drei Werratalgemeinden war bekanntlich der Auslöser für weitere und wesentlich
umfangreichere Planungsarbeiten. Sowohl die Thüringer Staatskanzlei als auch das Ministerium für
Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt sind mit im Boot. Es handelt sich hierbei um ein
Modellprojekt. Novum ist, dass dieses sich auf eine räumlich relativ kleine Region bezieht. Bereits
im November 2001 wurde mit der Agrarstrukturellen Entwicklungsplanung (AEP) begonnen, und
hier sind zwischenzeitlich auch schon die ersten Maßnahmen in der Realisierungsphase.
Beispielsweise sind mit Hilfe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen die Ortsrandbegrünung und die
Grabensanierung angelaufen. Seit Februar dieses Jahres beschäftigt sich nunmehr die
Wirtschaftsfördergesellschaft Ostthüringen mit der Erstellung des Regionalen
Entwicklungskonzeptes (REK). Schwerpunkte der Planung sind die Wirtschaftsentwicklung im
Kulturlandschaftspark „Oberes Werratal", Perspektiven für den Fremdenverkehr wie auch die
Entwicklung von Infrastruktur und sozialem Umfeld.


Zwischenbericht liegt vor

Mittlerweile liegt der 1. Zwischenbericht vor. Die Analyse ist Grundlage dafür, die Stärken und
Schwächen der drei Gemeinden herauszuarbeiten und aus diesen Fakten einen Maßnahmenkatalog
für die perspektivische Entwicklung abzuleiten. Die Gemeinderäte der drei Orte machen sich
momentan mit dem Inhalt der Analyse vertraut. Interessant auch im Hinblick auf künftige
zutreffende kommunale Entscheidung dürften beispielsweise die Recherchen zur Entwicklung der
Arbeitslosenzahlen sein. Bezogen auf die drei Werratalgemeinden hatte Belrieth im März dieses
Jahres 28 Arbeitslose, Vachdorf 62, und in Leutersdorf waren 20 Einwohner als arbeitslos
gemeldet. Während bei Vachdorf von 1996 bis 1999 eine Zunahme von 0,5 bis zwei Prozent zu
verzeichnen war, weisen indesBelrieth und Leutersdorf eine Abnahme in der gleichen
Größenordnung auf. Aufschlussreich ist zudem die Tatsache, dass sich die Bevölkerungszahlen in
den vergangenen zehn Jahren stetig rückläufig entwickelt haben. Belrieth hatte beispielsweise 1989
noch 444 Einwohner, 2002 waren es dann noch noch 403. In Leutersdorf reduzierte sich die
Bevölkerungszahl von 348 im Jahre 1989 auf 308 im Jahr 2002, und in Vachdorf verringerte sich
die Bevölkerung von einstmals 906 auf 874. Prozentual gesehen muss Leutersdorf mit 9,48 Prozent
den höchsten Bevölkerungsverlust verkraften, wie die Untersuchung zeigt. Charakteristisch für alle
drei Orte ist hingegen ein kontinuierlicher Anstieg der älteren Bevölkerung. Das hat auch
Konsequenzen für zahlreiche Versorgungsbereiche, wie soziale und medizinische Einrichtungen
oder die Planung von Kinder- und Jugendeinrichtungen einschließlich der Schulen.


Maßnahmenkatalog folgt

Perspektivisch betrachtet, werden die drei Gemeinden in den kommenden Jahren bis 2020 immer
weniger Einwohner haben. Anhand aller bekannten Faktoren wurde eine prognostische
Bevölkerungsvorausberechnung erstellt. Diese sagt aus, dass bei Belrieth die Anzahl der
Einwohner im Jahr 2020 bei 395, in Leutersdorf bei 299 und in Vachdorf bei 825 liegen wird.
Besagte Analyse zeigt jedoch auch den Istzustand und die perspektivischen Entwicklungstendenzen
in der Infrastruktur, im Landschafts- und Naturschutz wie auch bei der Entwicklung von
Fremdenverkehr und Erholung auf. Letzteres bezieht sich auf solche touristischen
Anziehungspunkte wie die weit über die Region hinaus bekannten Wehrkirchenanlagen oder
verschiedene regionaltypische Sehenswürdigkeiten. Dazu zählen hauptsächlich die Belriether
Werrabrücke, die historischen Ortskerne der drei Gemeinden mit ihrem Fachwerkensemble, die
Felsenkeller, der Krayn oder auch der Hofteich. Auf der Grundlage der vorliegenden Analyse wird
nun ein konkreter Maßnahmenkatalog erarbeitet, und zugleich beginnt die Prüfung der
Fördermöglichkeiten. Die Anerkennung als Förderschwerpunkt in der Dorferneuerung ist ein
wichtiger Schritt in diese Richtung, und für die Gemeinden zweifelsohne ein Glücksfall.